Ein Makler, der nur im Tagesgeschäft arbeitet, verbessert nichts. Gute Beratung braucht Zeit für Organisation, Einarbeitung und Führung.
Wenn Sie Ihre Immobilie verkaufen, sehen Sie Ihren Ansprechpartner. Wie gut er Sie beraten kann, hängt auch davon ab, wie sein Unternehmen im Hintergrund arbeitet: ob jemand Abläufe prüft, Neue einarbeitet und eine Vertretung organisiert.
Meine Einschätzung: Ein Makler, der nur im Tagesgeschäft arbeitet, verbessert nichts. Gute Beratung braucht Zeit für Organisation, Einarbeitung und Führung.
Was "im" und "am" Unternehmen heißt
Im Unternehmen zu arbeiten bedeutet, Kunden zu betreuen, Besichtigungen durchzuführen und Verhandlungen zu führen. Das ist das Kerngeschäft, und es füllt jeden Kalender.
Am Unternehmen zu arbeiten bedeutet, sich zu fragen: Wie läuft unser Verkaufsprozess? Was hat Eigentümern gefehlt? Welche Rückmeldung kam, und was ändern wir deshalb? Diese Arbeit bringt keinen unmittelbaren Abschluss. Sie entscheidet aber darüber, wie verlässlich der nächste Verkauf verläuft.
Warum dafür oft keine Zeit bleibt
Vielen Maklern fehlt diese Zeit, und der Grund liegt in der Arbeitsweise der Branche: Der Kalender ist voll, und der nächste Abschluss wirkt dringender als jede Verbesserung. Wer ausschließlich von Vorgang zu Vorgang denkt, lässt wenig Raum für Reflexion.
Für Sie als Eigentümer ist das spürbar, wenn Abläufe jedes Mal neu erfunden werden, Rückmeldungen versanden oder Unterlagen mehrfach angefordert werden.
Was Zeit am Unternehmen konkret bringt
- Abläufe prüfen: Wer seine Prozesse regelmäßig ansieht, erkennt Lücken, bevor Eigentümer sie erleben.
- Rückmeldungen auswerten: Was haben Interessenten gefragt? Wo sind sie abgesprungen? Daraus entsteht Verbesserung statt Wiederholung.
- Technik gezielt einsetzen: Es lohnt sich, Abläufe erst sauber manuell zu beherrschen und dann zu automatisieren. Eine Automatisierung schlechter Abläufe beschleunigt nur die Fehler. Wie ich den Nutzen von KI einordne, steht in KI beim Immobilienverkauf.
- Aus Fehlern lernen: Eine einfache Frage nach jeder Abweichung, nämlich "Was haben wir daraus gelernt?", verändert den Umgang mit Fehlern.
Die Gegenwart zählt mehr als die Zukunftsmusik
In der Branche wird viel darüber gesprochen, wie der Makler der Zukunft aussieht. Mich beschäftigt vor allem der Makler der Gegenwart: Was können wir heute besser machen, damit es für Eigentümer im aktuellen Markt besser läuft?
Das ist unspektakulär und wirkt unmittelbar. Eine klare Vertretungsregel, eine verständliche Rückmeldung und eine saubere Dokumentation nützen Ihnen mehr als eine angekündigte Innovation.
Was hinter einem Ansprechpartner steht
Eine gute Organisation zeigt sich an den Dingen, die Sie nur bemerken, wenn sie fehlen:
- Einarbeitung: Neue Kolleginnen und Kollegen brauchen Zeit, bis sie Ihre Fragen sicher beantworten. Diese Einarbeitung kostet zunächst Arbeitszeit und entlastet nicht sofort.
- Vertretung: Ein Verkauf dauert oft mehrere Monate. Urlaub oder Krankheit dürfen keine Unterbrechung verursachen. Wer vertritt, sollte den Stand Ihres Verkaufs kennen.
- Wissen im Unternehmen: Informationen gehören in dokumentierte Abläufe, nicht nur in die Köpfe Einzelner.
Ein Tempo, das die Qualität trägt
Mehr Personal und mehr Aufträge klingen nach Fortschritt. Ich halte es für richtig, in einem Tempo zu wachsen, das Führung und Beratung nicht überfordert. Wer zu schnell wächst, riskiert, dass die Qualität leidet, bevor neue Strukturen tragen. Wie ich den Zusammenhang zwischen Wachstum und Ortskenntnis sehe, beschreibe ich in Fokus statt Reichweite.
Dazu gehört auch räumliche Nähe: Ein Team lässt sich besser führen, wenn man sich regelmäßig begegnet und Rückfragen direkt klären kann.
Druck verändert Beratung
Wer von einem einzelnen Abschluss abhängt, steht unter Druck. Dieser Druck kann dazu führen, dass jemand einen Auftrag annimmt, obwohl er Zweifel hat, oder an einem Vorhaben festhält, weil er hofft, dass es doch noch klappt.
Für Eigentümer ist das riskant, denn Beratung, die kurzfristigen Interessen folgt, dient nicht immer Ihrem Ziel. Unternehmen können gegensteuern, indem sie Rahmenbedingungen für langfristiges Arbeiten schaffen: Unterstützung im Hintergrund, Vertretung und Raum für sorgfältige Entscheidungen. Wie sich ein offener Preisrat auf dieser Grundlage gestaltet, beschreibe ich im Abschnitt zum ehrlichen Preisrat in Ein guter Angebotspreis braucht eine Begründung.
Mit wem man arbeitet, prägt die Qualität
Ein Unternehmer arbeitet selten allein. Die Menschen im Umfeld beeinflussen, wie gut Entscheidungen getroffen werden: Wer widerspricht, wer unterstützt, wer nach Fehlern hilft, statt Vorwürfe zu machen? Ich achte deshalb darauf, mit wem ich zusammenarbeite, und lege Wert auf eine Kultur, in der Fehler offen besprochen werden dürfen.
Fragen, die Sie stellen können
Sie müssen die Organisation eines Maklers nicht durchschauen, um sie einzuschätzen. Diese Fragen helfen:
- Wer vertritt meinen Ansprechpartner, und kennt die Vertretung den Stand meines Verkaufs?
- Wer prüft Exposé und Preisempfehlung, bevor sie an mich gehen?
- Wie werten Sie Rückmeldungen aus und ändern daraufhin Ihr Vorgehen?
- Wer ist mein Ansprechpartner, wenn ich mit etwas nicht zufrieden bin?
Antworten, die Namen und Abläufe nennen, deuten darauf hin, dass jemand am Unternehmen arbeitet. Weitere Fragen zur Auswahl finden Sie in Einen guten Immobilienmakler erkennen.
Mein Fazit
Hinter jeder guten Beratung steht Arbeit, die Sie nicht sehen: Auswahl, Einarbeitung, Austausch und Führung. Ich verstehe es als meine Aufgabe, dafür Zeit zu schaffen und Bedingungen herzustellen, unter denen Berater im Interesse der Eigentümer entscheiden können.
Weitere Perspektiven
- Fokus statt Reichweite: Warum Ortskenntnis sich nicht beliebig ausdehnen lässt
- Einen guten Immobilienmakler erkennen: Fünf Fragen vor dem Auftrag
- KI beim Immobilienverkauf: Was Eigentümern wirklich hilft
- Immobilienverkauf in Köln: Ein guter Angebotspreis braucht eine Begründung
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Dieser Beitrag gibt die persönliche fachliche Einschätzung des Autors wieder und ersetzt keine individuelle Beratung. Alle Beiträge der Reihe: Kirchhoff Perspektiven.
Redaktioneller Vermerk: Geprüft und zur Veröffentlichung freigegeben durch Thorsten Kirchhoff.
