Eine Wertanfrage ist kein Verkaufsauftrag. Wer sie so behandelt, verspielt Vertrauen, bevor es entstehen kann.
Sie interessieren sich für den Wert Ihrer Immobilie, möchten aber nicht verkaufen. Das ist eine ganz normale Situation, und Sie haben ein Recht darauf, eine Antwort zu bekommen, ohne danach Verkaufsgesprächen ausgesetzt zu sein.
Meine Einschätzung: Eine Wertanfrage ist kein Verkaufsauftrag. Wer sie so behandelt, verspielt Vertrauen, bevor es entstehen kann.
Warum Eigentümer den Wert wissen möchten
Ein Eigentümer hält seine Immobilie oft über viele Jahre. Der Verkauf ist meist nur ein kurzer Abschnitt dieser Zeit. Dazwischen gibt es viele Anlässe, bei denen der Wert eine Rolle spielt:
- bei einer Erbschaft oder einer Schenkung innerhalb der Familie,
- bei einer Trennung oder einer Änderung der Eigentumsverhältnisse,
- für den Überblick über das eigene Vermögen,
- vor einer größeren Modernisierung,
- bei der Frage, ob ein späterer Verkauf sinnvoll sein könnte.
In keinem dieser Fälle muss der Verkauf bevorstehen. Trotzdem erleben viele Eigentümer, dass auf eine Wertanfrage hin mehrere Anrufe folgen, in denen es sofort um einen Auftrag geht.
Was solche Anrufe bewirken
Wer zwei oder drei Wochen lang von verschiedenen Maklern angerufen wird, obwohl er nur eine Orientierung wollte, zieht oft den Schluss: Hier geht es nicht um mich, sondern um einen Auftrag. Er wird beim nächsten Mal vorsichtiger oder verzichtet ganz darauf, Fragen zu stellen.
Das ist schade, denn gerade in der Zeit vor einem möglichen Verkauf lässt sich viel klären, ohne Druck, und vieles lässt sich vorbereiten.
Woran Sie eine gute Wertermittlung erkennen
Eine Wertermittlung, die Ihnen hilft, hat einige Merkmale:
- Sie fragt zuerst, wofür Sie den Wert brauchen. Eine Orientierung für die Familie braucht eine andere Genauigkeit als ein Verkauf.
- Sie erklärt, wie das Ergebnis zustande kommt: Vergleichsdaten, Besonderheiten Ihrer Immobilie, Annahmen und Unsicherheiten.
- Sie unterscheidet zwischen Wert und Angebotspreis. Wie ein Angebotspreis aus solchen Daten entsteht, beschreibe ich in Ein guter Angebotspreis braucht eine Begründung.
- Sie benennt offen, was sich ohne Besichtigung nicht beurteilen lässt.
- Sie klärt vorab, ob und wie Sie kontaktiert werden möchten.
Auch der Umgang mit Ihren Daten gehört dazu. Welche Fragen Sie dazu stellen können, steht in Wer bekommt Ihre Daten?.
Eine KI-Auskunft ist kein Ersatz
Wenn Sie sich vorab selbst informiert haben, etwa mit einem KI-Assistenten, ist das ein guter Anfang. Wie Sie diese Auskunft einordnen, beschreibe ich in Sie haben Ihre Immobilie schon einer KI vorgelegt.
Mein Anspruch
Ich möchte, dass Eigentümer mit einer Wertanfrage ein verständliches Ergebnis erhalten und selbst entscheiden, ob und wann sie weiter sprechen. Ein Rückruf sollte nach meiner Auffassung nur erfolgen, wenn Sie ihn wünschen.
Ob Sie in einem Jahr verkaufen, in zehn Jahren oder nie, spielt für ein gutes Gespräch keine Rolle. Wichtig ist, dass Sie die Informationen bekommen, die Sie für Ihre Entscheidung brauchen.
Weitere Perspektiven
- Immobilienverkauf in Köln: Ein guter Angebotspreis braucht eine Begründung
- Wer bekommt Ihre Daten? Drei Fragen vor der Beauftragung eines Maklers
- Sie haben Ihre Immobilie schon einer KI vorgelegt: So ordnen Sie das Ergebnis ein
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Redaktioneller Vermerk: Geprüft und zur Veröffentlichung freigegeben durch Thorsten Kirchhoff.
